Von offenen Lernumgebungen und öffentlichen Lehrveranstaltungen

Vor Kurzem habe ich an einem Workshop zur Erstellung von Podcasts an der FH-Köln teilgenommen. Ein Äußerung ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Es ging um die Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen und die Wahrung von Persönlichkeitsrechten. Während meines Studiums war es sehr wichtig, in den Vorlesungen die wesentlichen Aussagen des Professors aufzuschreiben, um daraus am Ende des Semesters ein Vorlesungsskirpt zu erstellen. Dieses galt als Basis zur Vorbereitung für die Klausur. Hatte man eine Vorlesung verpasst, musste man sich mühsam die Mitschrift eines  Kommilitonen besorgen. Oftmals waren Mitschriften von Studierenden so gut und ausführlich, dass sie für alle anderen als Basis für die Klausur galten.  Heute sieht es ganz anders aus. Mitschreiben ist out, Aufzeichnen ist in. Dafür ist lediglich ein mobiles Gerät mit integrierter Kamera und Mikrofon notwendig (Standard bei allen Mac-Laptops oder iPhones). Man setzt sich in die Vorlesung und lässt einfach die Kamera laufen. Der Lehrende kriegt das oftmals gar nicht mit. Die Geräte sind heutzutage so klein und unscheinbar, dass sie durchaus versteckt werden können. Eigentlich eine gute Form eines Vorlesungsskripts. Perfekt und ausführlich. Vor der Klausur setzt man sich einfach hin und schaut sich die wesentlichen Stellen noch mal an und erstellt daraus  die Mitschrift.  Solange die Aufzeichnungen innerhalb des Semesters verbleiben eigentlich eine gute Sache. Aber diese Form der Aufzeichnung ist eigentlich nicht erlaubt. Der Lehrende muss  der Aufzeichnung natürlich zustimmen und diese bestenfalls auch freigeben. Zudem verbleiben solche Aufzeichnungen mittlerweile nicht nur auf dem Rechner eines Studierenden, sondern werden fleißig über entsprechende Community-Plattformen untereinander geteilt. So kann es durchaus sein, dass sich ein Lehrender plötzlich bei YouTube wiederfindet. So wird allmählich die herkömmlich geschlossene Vorlesung zu einer offenen gar öffentlichen Veranstaltung.

Mitschriften oder Aufzeichnungen werden nicht mehr auf einem für eine bestimmte Nutzergruppe geschlossenen LMS abgelegt, sondern mittels Weblogs, WIkis, Microblogging, Videoplattformen öffentlich präsentiert. Vorlesungen können erlaubt oder unerlaubt aufgezeichnet  und auf öffentlichen Plattformen darstellt werden (z.B.  iTunes). Dort sind sie nicht nur für das aktuelle Semester,  den Fachbereich oder für die Hochschule, sondern für die ganze Welt sichtbar. Nutzer können die Aufzeichnung herunterladen, weiter empfehlen, kommentieren oder bewerten.  Demnächst muss sich womöglich der Lehrende nicht nur Gedanken darüber machen, wie er den Stoff für seine Studierenden vorbereitet und darstellt, sondern auch damit rechnen, dass seine Ausführungen von externen Zuschauern mitgehört werden.  Es ist  schon abzusehen, dass es in Zukunft viele Diskussionen hinsichtlich der Qualitätssicherung und der Wahrung von Persönlichkeitsrechten geben wird. Davon hängt natürlich auch die Bereitschaft der Lehrenden ab, sich öffentlich zu präsentieren mit allen positiven als auch negativen Konsequenzen, die damit verbunden sind. Wir dürfen gespannt sein!