Web 3.0, 4.0, 10.0

Mittlerweile sieht man immer öfter den Begriff Web 3.0. Anscheinend sind viele Blogger mit den Eigenschaften des sogenannten Web 2.0 nicht zufrieden. Deswegen sehnen sie sich nach einer neuen Version. Ich kann ihre Verwirrung verstehen, ist es doch wirklich schwer, eine Web 2.0 Anwendung zu identifizieren und zu klassifizieren. Welche Eigenschaften, Eigenarten haben Web 2.0 Anwendungen? Ist es, dass sie RSS/Atom zum Datenaustausch verwendet, oder, dass sie AJAX zur Darstellung einsetzen, Skype zur Kommunikation, und so weiter? RSS wird schon seit 1999 zum Datenaustausch verwendet. IP-Telefonie ist auch nichts Neues. Sogar AJAX existiert seit 1998. Sind vielleicht die Zusammenführung der jeweiligen Tools und Daten und die Möglichkeit zur Kommunikation spezifische Eigenarten einer Web 2.0 Anwendung?

Die Vermischung verschiedener Daten unterschiedlicher Quellen, scheint eine Schlüsseleigenschaft der sogenannten Web 2.0 Anwendungen zu sein. In herkömmlichen Websites liegen die Informationen meistens in Form von einzelnen HTML-Dokumenten, die miteinander verlinkt sind vor. Ihr Inhalt und ihre Struktur kann von Menschen interpretiert werden. Maschinen können nur begrenzt diese Information verarbeiten. In einem Artikel „Web 2.0 for Designers“, der im Mai 2005 von Richard MacMagnus und Joshua Porter veröffentlich wurde, steht „“The Web of Documents has morphed into a Web of data. We are no longer just looking to the same old sources of information. Now we’re looking to a new set of tools to aggregate and remix microcontent in new and useful ways“.

Auch in „Native to a Web of Data“, einer Präsentation von Tom Coates von Yahoo, die er während der Konferenz „Future of Web Apps“ in London gehalten hat, wird in den ersten Folien der Präsentation die Undeutlichkeit des Begriffs Web 2.0 und seiner Anwendungen deutlich. Er zeigt diverse Anwendungen und verschiedene Graphiken, die versuchen das Web 2.0 darzustellen, welche nicht eine Antwort liefern, sondern viele Fragen aufwerfen. Tom Coates baut seine Präsentation auf folgendem Satz auf: „A web of data sources, services for exploring and manipulating data and ways that users can connect them together“. Aus dem Web von Dokumenten wird das Web der „Mash-Ups „ und daraus folgt das Web of Data. Dave Beckett bezieht sich auf diese Präsentation und schreibt in seinem Blog “ that the open data part of the web 2.0 buzzword space, actually aligns well with semantic web ideas – a web of data”, da auch im Semantic Web die maschinenlesbaren Daten ein wesentliches Merkmal sind.

Die Web 2.0 Anwendungen sollen die jeweiligen Dateneinheiten sammeln, verarbeiten und mit anderen Daten vermischen und darstellen. Die von den Anwendungen bereitgestellte, standardisierte und strukturierte Daten sind einfacherer, untereinander auszutauschen (content aggregation) und miteinander zu vermischen (content syndication). Die Daten werden von ihrem ursprünglichen Kontext herausgefiltert und auf dem lokalen Browser (oder entsprechenden Applikationen) mit anderen Daten verknüpft und dargestellt.

Ein weiteres Merkmal von Web 2.0 Anwendungen ist, dass sie nicht nur die Daten maschinenlesbar ablegen, sondern auch unterschiedliche Schnittstellen und Services zur Erstellung, Suche, Manipulation und Austausch der strukturierten Daten anbieten. Beispiele dafür in der Datenebene sind: RSS/Atom , Microformats, Permalinks und weitere. In der Anwendungsebene gehören dazu Weblogs- oder Wikis, aber auch Widgets und offene APIs, die von unterschiedlichen Anbietern bereitgestellt werden, wie beispielsweise von Yahoo und Google. Die angebotenen APIs erweitern den Austausch auch auf der Anwendungsebene (service syndication). Im Web 2.0 wird das Web als Plattform gesehen, auf der Entwickler neue Anwendungen schreiben, untereinander austauschen und miteinander vermischen können. Baly Iyer von der School of Management at Boston University hat in seinem Blog eine Graphik veröffentlich, die basierend auf den Daten von programmableweb.com zeigt, welche APIs am häufigsten genutzt und in Mash-Ups am häufigsten miteinander verknüpft werden. Die Größe der Knoten in der Graphik entspricht der Nutzung der jeweiligen API und die Breite der Kante zwischen zwei Knoten die Häufigkeit der gemeinsamen Nutzung in Form von Mash-Ups . Knoten der gleichen Firma besitzen auch die gleiche Farbe.

In Verbindung mit Web 2.0 erscheint oft der Begriff Social Software. Kurz angemerkt: Social Software ermöglicht Kommunikation und Interaktion zwischen Benutzern im Internet. Zu den Social Software Anwendungen gehören neben E-Mail und Instand Message auch Wikis, und Blogs, die als Musterbeispiele von Web 2.0 Anwendungen gelten. Daraus folgend können nun die Eigenschaften von Web 2.0 Anwendungen um die Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation von Social Software erweitert werden.

Der Begriff Web 2.0 scheint ein Oberbegriff für verschiedene Technologien und Anwendungsgebiete zu sein. Die drei hier herausgestellten Eigenschaften: maschinenlesbare Daten, Services, Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten erinnern mal wieder an den Satz zur Definition von Semantic Web: „The Semantic Web is an extension of the current Web in which information is given well-defined meaning, better enabling computers and people to work in cooperation“ (The semantic web, Tim Berners-Lee, James Hendler and Ora Lassila, 2001). Unabhängig davon, scheint das Thema und der Hype um das Web 2.0 ein gutes Vehikel zu sein, um die Vorstellungen und die Möglichkeiten von Semantic Web nach dem Buttom-Up Ansatz allmählich im Web zu etablieren. Yahoo sucht bereits nach Semantic Web Entwicklern.

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